Indien: Ajay (14) ist Mitglied im Kinderparlament

Zwei Jugendliche sitzen draußen auf einem Bettgestell und lesen in Heften auf ihrem Schoß
Ajay spricht mit einer Mitschülerin über die Tagesordnung der nächsten Sitzung

Ich heiße Ajay und wohne mit meiner Familie in Kallipura. Seit die Organisation Navchetna in unser Dorf kam, hat sich vieles verändert. Uns Kindern haben sie zum Beispiel geholfen, ein Kinderparlament zu gründen – wir sollen mitbestimmen, wenn es um unseren Alltag und unsere Zukunft geht. Habt ihr so etwas auch in Deutschland?

Wir treffen uns regelmäßig und diskutieren darüber, welche Probleme es im Dorf gibt und was sich aus Sicht von uns Kindern ändern müsste. Ich finde es toll, dort mitzumachen! Wir lernen, auf die Kinder im Dorf achtzugeben und zu helfen, wenn es einem nicht gut geht.

Bevor es dieses Parlament gab, gingen die meisten Mädchen und Jungen nicht zur Schule. Deshalb sind wir Parlamentsmitglieder zu unseren Freunden und Nachbarn gegangen und haben ihnen gesagt, dass Schule wichtig ist, sonst kann man später keinen Beruf lernen und bleibt arm. Jetzt gehen die meisten Kinder im Dorf regelmäßig zum Unterricht.

Ajay
Ajay ist stolz, Mitglied im Schülerparlament zu sein

Wir haben mit unserer Gruppe bisher zwei große Probleme angesprochen: Früher gab es in unserem Dorf keine richtigen Straßen – und wenn es geregnet hat, war der Boden matschig, und es war besonders für Kinder anstrengend, darauf zu laufen.

Unsere Familien sind Bauern – aber mein Vater und meine Onkel konnten ihre Felder nicht bewässern. Es gab keine Möglichkeit, das Regenwasser zu speichern. Durch den Klimawandel bleibt der Regen immer öfter aus. Dann vertrocknet alles auf den Feldern, und wir haben nicht genug zu essen. Bei uns gibt es ein Dorfkomitee – das ist eine Gruppe von Leuten, die entscheiden, was gemacht wird. Vor zwei Jahren hat unser Kinderparlament diese Leute aufgefordert, richtige Straßen zu bauen und Wasserspeicher anzulegen. Das Komitee fand die Ideen gut! Mithilfe von Navchetna haben sie die Straßen befestigt, Teiche ausgehoben, Pumpen und Wasserleitungen angeschafft. Wir kommen jetzt ohne matschige Schuhe zur Schule und unsere Familien ernten auch bei Dürre Gemüse von ihren Feldern!

Die Kindernothilfe in Kallipura

Kallipura im Bundesstaat Madhya Pradesh liegt in einer der ärmsten Regionen Indiens. Die meisten Menschen sind Bauern. Was auf den Feldern wächst, reicht nicht, um die Familien das ganze Jahr zu versorgen. Der Kindernothilfe-Partner Navchetna zeigt ihnen, wie sie mit neuen Methoden mehr ernten können. Er hat u. a. Schulbücher verteilt, Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche geschaffen und ein Kinderparlament gegründet.


Text: Mayuri Datta/Guni Aiyub, Fotos: Mayuri Datta