Länderinfo: Indien

Indien Karte (Quelle: Angela Richter)

Indien ist das siebtgrößte Land der Welt. Nur in China leben mehr Menschen. Die Einwohner und ihre Sprachen, was sie glauben und denken, wie sie leben und arbeiten, wie arm oder wie reich sie sind, die Natur und die Landschaften, die Städte und Dörfer sind überall anders, je nachdem, in welchem Teil des Landes man ist. Es gibt moderne Großstädte mit schicken Geschäften, teuren Autos, Wolkenkratzern und gut verdienenden Einwohnern, eine hochentwickelte Computerindustrie, Ingenieure, Ärzte, Wissenschaftler, die zu den besten der Welt gehören – und wenige Kilometer weiter leben Menschen in Hütten ohne Strom und fließendem Wasser, ohne Schulabschluss, ohne Beruf.

Unsere Länderinfo kann euch deshalb nur einen winzig kleinen Einblick in dieses unendlich vielseitige Land geben.

Geografie

Indien ist das siebtgrößte Land der Welt. An welche Länder es grenzt, seht ihr auf der Landkarte. An der Nordgrenze Indiens liegt der Himalaya, das höchste Gebirge der Erde.

Hima bedeutet „Schnee“ und alaya „Ort, Wohnsitz“.  Weltweit gibt es 14 Berge, die höher als 8.000 m sind: 10 davon befinden sich im Himalaya, auch der Mount Everest, der höchste Berg der Welt (8.848 m). Er gehört allerdings nicht zu Indien, sondern zu Nepal. Der höchste Berg, der vollständig auf indischem Gebiet liegt, ist der Nanda Devi ( 7.822 m).

Im Himalaya entspringt der längste Fluss Indien, der Ganges. Ein anderer Fluss, der Indus im Nordwesten des Landes, hat Indien seinen Namen gegeben. Obwohl Indien so riesig ist, gibt es dort nur wenige große Seen, die nicht von Menschen geschaffen wurden.  Deshalb haben die Inder zur Bewässerung und Stromerzeugung  im ganzen Land teils riesige Stauseen angelegt. – die größte ist die Hirakud-Talsperre mit 7,2 Milliarden m³ Wasser – die größte Talsperre in Deutschland enthält gerade einmal 215 Millionen m³ Wasser. Das Ufer der Hirakud-Talsperre ist ist 640 km lang – so eine lange Strecke legt man zurück, wenn man mit dem Auto von Duisburg nach München fährt.

Zu Indien gehören einige Inselgruppen, z. B. die Nikobaren und die Andamanen, ehemalige Sträflingsinseln. Dort wurden früher Gefangene ausgesetzt. Die Inselgruppen liegen zwischen 1.000 und 1.600 km von Indien entfernt.

 

Lal Qila in Neu-Delhi. (Quelle: von Debjyotiarr (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons)Hauptstadt

In Neu-Delhi leben rund 26 Millionen Menschen. Das größte Bauwerk der Stadt ist „Lal Qila“ (Rotes Fort). Es wurde im 17. Jahrhundert gebaut. Innerhalb des Forts gibt es Hallen für private und öffentliche Empfänge, Marmorpaläste, luxuriöse Privaträume, eine Moschee und kunstvoll angelegte Gärten. 500 Meter entfernt von „Lal Qila“ entfernt liegt die „Jami Masjid“, die größte Moschee Indiens.

Gate of India in New Delhi. (Quelle: von Shashwat Nagpal from New Delhi, India (India Gate) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons)Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das India Gate. Es ist 42 m hoch und sieht so ähnlich aus wie der Triumphbogen in Paris.

Das India Gate soll an die vielen tausenden indischen Soldaten erinnern, die in verschiedenen Kriegen gefallen sind.

Quellen: World Factbook 2015, Wikipedia

 

 

 

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Eine Mutter mit zwei Kindern. (Quelle: Bastian Strauch)Einwohner

Indien hat rund 1,3 Milliarden Einwohner (Deutschland 81 Millionen). Es ist nach China das Land mit den meisten Einwohnern weltweit. Es ist eines der wenigen Länder auf der Welt, in denen es mehr Männer als Frauen gibt. Töchter sind in Indien für viele Eltern nicht so viel wert wie Söhne. Viele Mädchen sterben deshalb früh, weil sie weniger und häufig auch schlechteres Essen bekommen als ihre Brüder. Bei einer Mahlzeit essen immer zuerst die männlichen Familienmitglieder – Mütter und Töchter teilen sich, was übrig bleibt. Auch wenn Mädchen krank werden, ist die Familie oft nicht bereit, Medikamente oder einen Arzt zu bezahlen – und erst recht keine Operation. Es wird einfach dem Zufall überlassen, ob sie gesund werden oder nicht.

In Indien gibt es sehr viele junge und nur wenige alte Menschen – ganz anders als bei uns:

Alter Indien Deutschland
0-14 Jahre 28 von 100 Menschen 13 von 100 Menschen
15-64 Jahre 66 von 100 Menschen 65 von 100 Menschen
älter 6 von 100 Menschen 22 von 100 Menschen

Zahlen: World Factbook 2017

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Arbeit/Kinderarbeit | Armut | Diwali | Einwohner | Elefanten | Essen | Geld | Geografie | Gesundheit | Hauptstadt | Heilige Kühe | Heirat | Kindernothilfe | Kleidung | Landesname | Lebenserwartung | Mädchen und Frauen | Religion | Schule | Sprache | Tadsch Mahal | Tsunami | Uhrzeit | Wirtschaft | Wohnen

Indien von A bis W

Männer arbeiten auf dem Feld. (Quelle: Jens Großmann) nach oben »

Arbeit/Kinderarbeit

Fast die Hälfte aller Menschen in Indien arbeitet in der Landwirtschaft. Vor allem Mädchen und Frauen schuften von morgens bis abends auf Feldern, die ihnen normalerweise noch nicht einmal gehören. Sie haben in der Regel keinen Beruf, können nicht lesen und schreiben und verdienen als einfache Hilfskräfte nur wenig Geld.

Seit 2005 versucht die indische Regierung mit dem größten Beschäftigungsprogramm der Welt, den Armen Arbeit zu geben. Es garantiert Arbeitssuchenden in ländlichen Gebieten für 100 Tage Arbeit. Sie bauen z. B. Straßen und Brunnen oder legen Plantagen an.

Jeden Tag verlassen viele Leute ihre Dörfer und ziehen in eine der großen Städte, weil sie hoffen, eine gut bezahlte Arbeit zu finden. Aber ungelernte Hilfskräfte werden dort nicht gebraucht. So wohnen sie auf der Straße oder in Slums und halten sich mit schlecht bezahlten Hilfsjobs oder mit Betteln über Wasser.

Nur 10 von 100 Beschäftigten haben einen Arbeitsvertrag. Die anderen haben weder eine Kranken- oder eine Arbeitsunfallversicherung noch haben sie Anspruch auf eine Rente.

Von 100 Kindern zwischen 5 und 14 Jahren müssen 12 arbeiten, um ihre Familie zu unterstützen. Das sind insgesamt in ganz Indien 15 Millionen Kinderarbeiter. Dabei ist Kinderarbeit in Indien gesetzlich verboten.

In den Städten machen zwar mehr Jugendliche, darunter auch mehr Mädchen, eine Berufsausbildung als auf dem Land. Aber es sind immer noch wenige, die den Sprung in einen gut bezahlten Beruf schaffen – zum Beispiel in der Computerindustrie. In den Städten gibt es mittlerweile zahlreiche Ärztinnen, Lehrerinnen, Ingenieurinnen und Wissenschaftlerinnen. Aber immer noch wissen die meisten indischen Frauen gar nicht, dass sie laut Gesetz ein Recht auf eine Ausbildung haben.

Quellen: World Factbook, aktuellste Zahl von 2012, http://www.nrega.nic.in/netnrega/home.aspx, Vereinte Nationen 2002-2012, Auswärtiges Amt 2015

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Hütten im Slum. (Quelle: Josephine Herschel)Armut

Indien gehört zu den zehn reichsten Ländern der Welt. Hier leben mehr Millionäre und Billionäre als in irgendeinem anderen Land der Welt. Trotzdem muss fast jeder 3. Inder von weniger als 92 Cent am Tag leben.

 Das
verdient ein/e
Grundschul-
lehrer
Verkäuferin Auto-
mechaniker
 in Delhi     7.389 Euro    3.349 Euro    4.260 Euro
 in Berlin  49.878 Euro  21.802 Euro  28.841 Euro
So lang muss jemand arbeiten, um … zu kaufen (in Min.) Big Mac 1 kg Brot
in Dehli 50 23
in Berlin 13 9

Quellen: http://economictimes.indiatimes.com/news/economy/indicators/india-among-10-rich-countries-but-average-indian-quite-poor-report/articleshow/52520769.cms, Auswärtiges Amt, März 2016, UBS Studie “Preise und Löhne” 2015

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2 Hände schützen eine Kerzenflamme. (Quelle: Frank Rothe)Diwali (Lichterfest)

Das ist eines der buntesten religiösen Feste in Indien. Dazu schmücken die Familien im Spätherbst ihre Häuser mit Kerzen und Lichtern. Besonders aus der Ferne und wenn es dunkel ist, sehen die hunderte von Lichtern schön aus. Das Wort „Diwali“ kommt von „Deepawali“, was so viel wie „Lichterschwarm“ bedeutet. Das Lichterfest wird von allen Hindus weltweit gefeiert. Das Fest soll an die Erneuerung des Lebens erinnern. Dazu werfen die Menschen an diesem Tag alte Lampen weg und kaufen neue. Der Überlieferung nach sollen nämlich neue Lampen den Seelen der Toten helfen, ihren Weg zum Himmel zu finden.

An Diwali wird auch die Göttin des Wohlstandes, Lakshmi, verehrt. Deshalb legen die Familien an diesem Tag ihr Sparbuch (sofern sie eins haben) vor ein Bild der Göttin und beten, dass es ihnen auch in Zukunft gut geht. Sie glauben, dass die Göttin nur Häuser besucht, die gut beleuchtet sind. Deshalb stellen sie viele Kerzen in die Fenster und schmücken die Wohnung mit Blumen und Papierketten.Bunte Kreideblumen auf dem Boden. (Quelle: Frank Rothe)

Die Stufen zur Wohnung werden mit einem speziellen „Rangoli“-Motiv versehen, um die Hausbesucher willkommen zu heißen. Rangoli bedeutet ‚farbenfrohes Muster‘. Sogar die Straßen sind geschmückt. Die Kinder ziehen ihre besten Kleider an und waschen sich an diesem Tag besonders gut, denn Reinheit ist bei den Hindus oberstes Gebot. Vor dem Essen besuchen die Hindus einen Tempel und treffen ihre Freunde und Verwandten. Im Tempel gibt es Musik, Gesang und Tanz. Leckeres Essen und Süßigkeiten dürfen bei solch einem bunten Fest natürlich auch nicht fehlen.

 

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Elefanten nehmen ein Bad in einem Fluss. (Quelle: Jens Großmann)Elefanten

In Indien werden Elefanten gern als Lasttiere eingesetzt, vor allem in den Bergen, wo man nicht mit Maschinen hinkommt. Sie schleppen zum Beispiel schwere abgeholzte Baumstämme. In dem indischen Bundesstaat Kerala brauchen sie nur bis zum 65. Lebensjahr zu arbeiten, dann können sie quasi in Rente gehen. Der indische Staat sorgt dafür, dass sie regelmäßig Futter bekommen, medizinische Betreuung und eine Unterkunft. Elefanten können über 70 Jahre alt werden.

Elefanten als Arbeitstiere

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Eine Frau kocht auf einem kleinen Holzofen. (Quelle: Jens Großmann)Essen

Viele Hindus essen kein oder nur selten Fleisch, und weil die Kühe für sie heilig sind, ist Rindfleisch absolut verboten. Indische Muslime essen kein Schweinefleisch. Hühnchenfleisch ist sehr beliebt. Die ärmere Bevölkerung hat für Fleisch ohnehin kaum Geld.

Zu den Grundnahrungsmitteln gehören Reis, Weizen und Hülsenfrüchte – z. B. rote Linsen und Kichererbsen. Charakteristisch für die Küche in ganz Indien ist die Verwendung vieler verschiedener Gewürze – z. B. Pfeffer, Kurkuma, Kardamom, Schwarzer Senf. Curry, das wir als ein Gewürz kennen, ist in Wirklichkeit eine Gewürzmischung, die in Indien „Masala“ heißt. „Curry“ dagegen bedeutet in Indien einfach „Soße“ bzw. „Gericht mit Soße“, was die Einheimischen „kaari“ oder „kaaree“ nennen.

Als die Engländer in Indien regiert haben, haben sie einfach alle indischen Gerichte mit Soße „Curry“ genannt. Curry ist übrigens nicht eine ganz bestimmte Gewürzmischung. Die indischen Hausfrauen stellen jeweils ihre eigene „Masala“ her. So hat jede Familie ihre eigene Mischung, die ganz anders schmecken kann als die der Nachbarn.

Inder essen übrigens außer bei offiziellen Anlässen nicht mit Besteck, sondern mit der rechten Hand.

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Geld

Das indische Geld heißt Rupie und Paesa:

  • 100 Paesa = 1 Rupie
  • 10 Rupien = 0,13 Euro
  • 1 Euro      =  74,93 Rupien

(Stand: Oktober 2016, Oanda Währungsrechner)

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Eine Ärztin horcht den Herzschlag eines Mädchens ab. (Quelle: Frank Mischo)Gesundheit

Indiens Ärzte und Ärztinnen zählen zum Teil zur Weltspitze. Vielen Menschen nützt das allerdings gar nichts, denn sie können sie nicht bezahlen. Vor allem Kinder müssen sterben, weil sie kein Geld für Medikamente oder Operationen haben. Ärzte sowie Krankenhäuser gibt es nur in den Städten, und die Leute aus den Dörfern können sich oft noch nicht einmal das Busgeld hierher leisten. Für rund 10.000 Patienten gibt es nur 7 Ärzte und 7 Krankenhausbetten (in Deutschland: 40 Ärzte und 82 Betten).

Fast die Hälfte aller Kinder, die jünger als fünf Jahre sind, haben Untergewicht – das heißt, sie bekommen nicht genug zu essen. In den Großstädten ist die Luft voller Schadstoffe. In den Slums der Städte und auf den Dörfern haben die Häuser keine Toiletten, und es gibt keine Müllabfuhr. Dadurch verbreiten sich gefährliche Bakterien, die krank machen.

Quellen: World Factbook, aktuellste Zahlen von 2011 + 2012, Vereinte Nationen, aktuellste Zahlen von 2008-2012

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Heilige Kühe

Völlig unberührt von wildem Hupen und quietschenden Reifen trotten unzählige Kühe mitten durch den Großstadtverkehr. Die Einheimischen nennen sie auch „speedbreaker“, „Bremser„. Die Kühe haben im Straßenverkehr immer Vorfahrt, und wenn jemand eine Kuh anfährt, muss er sogar mit einer Bestrafung rechnen.

Im Hinduismus hat jeder Gott und jede Göttin ein eigenes Tier zum Reiten, das als heilig gilt. Der Gott Krishna wird als Kuhhirte dargestellt, und deshalb sind Kühe heilig. Für die Hindus ist die Kuh die Mutter allen Lebens und ihre Gaben haben religiöse Bedeutungen. Die Kühe sind sehr umweltfreundlich. Sie fressen nämlich den pflanzlichen Abfall, der einfach auf die Straße geschmissen wird, weil es keine Mülltonnen gibt. So kommt es, dass viele Bauern ihre Kühe frei laufen lassen, damit sie sich selbst ernähren können und gleichzeitig den Müll beseitigen. Da Kühe für Hindus heilig sind, essen Hindus kein Rind- oder Kalbfleisch. Außerdem ist in den meisten indischen Bundesstaaten das Töten von Kühen gesetzlich verboten.

Indien hat weltweit die meisten Kühe – zurzeit mehr als 300 Mio. Die Regierung will für Kühe eine Art Personalausweis einführen. Die Plastikkarten enthalten eine Nummer, ein Foto, den Namen des Besitzers und weitere Angaben zur Kuh. Kuhdiebe, die die Tiere  im Nachbarland für viel Geld verkaufen wollen, können dadurch bei Grenzkontrollen geschnappt werden.

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Eine Hindu-Hochzeit. (Quelle: By Kalyan Kanuri (Flickr: Charuti Latha,Deepak) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons)Heirat

Laut Gesetz müssen Mädchen mindestens 18 Jahre alt sein, wenn sie heiraten. In Wirklichkeit ist aber jedes 13. Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren bereits verheiratet – gegen seinen Willen. Viele Eltern geben ihre Einwilligung dazu, weil sie arm sind. Ist ihre Tochter erst einmal verheiratet, müssen sie sie nicht mehr versorgen. Oder sie haben Angst, dass sie schwanger wird, ohne verheiratet zu sein. Also sorgen sie dafür, dass sie so früh wie möglich einen Mann bekommt.Aber wenn diese jungen Mädchen dann schwanger werden, besteht die große Gefahr, dass sie während der Schwangerschaft oder bei der Geburt sterben. Ihr Körper ist noch gar nicht darauf vorbereitet, ein Baby auszutragen.

Die Kinderrechtskonvention sagt, dass Menschen unter 18 Jahren Kinder sind. Und die haben ein Recht auf Gesundheit, auf Schulbesuch, und sie müssen vor allen Formen sexueller Ausbeutung und vor Missbrauch geschützt werden. Sie haben ein Recht dazu, Kind zu sein. Und Indien hat diese Kinderrechtskonvention unterschrieben. Aber wenn Kinder verheiratet werden, ist das ein unglaublicher Verstoß gegen die Kinderrechte!In Indien werden die meisten Ehen „arrangiert“. Das heißt: Männer und Frauen suchen sich ihre Ehepartner nicht selbst aus, sondern ihre Eltern oder spezielle Heiratsvermittler übernehmen das.

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Mädchen aus Kindernothilfe-Projekten in Indien demonstrieren bei einem Kinderkongress in Chennai die Kinderrechte. (Quelle: Kindernothilfe-Partner)Kindernothilfe

Wir unterstützen in Indien 325 Projekte mit rund 92.680 Mädchen und Jungen. Indien war das erste Land, in dem die Kindernothilfe aktiv geworden ist: 1959. Über die Jahre ist unsere Arbeit dort so gewachsen, dass wir inzwischen rund 70 indische Partner haben, mit denen wir unsere Projekte betreuen. Wir legen besonders viel Wert darauf, dass die Kinder gesund bleiben. Wir zeigen ihnen und ihren Familien, wie sie z. B. alleine mit Händewaschen Krankheiten verhindern können, und wir impfen sie gegen Krankheiten, die meistens tödlich enden. Dadurch sind sie vor diesen Krankheiten geschützt.

Unsere Projekte begleiten auch Familien, die von HIV und Aids betroffen sind. Infizierte Mütter bekommen Medikamente und lernen, wie sie ihre Kinder vor der Ansteckung mit HIV schützen können. Andere Projekte kümmern sich besonders um Aids-Waisenkinder.

Kinder auf dem Weg zur Schule. (Quelle: Hannah Rinnhofer)Schulbildung ist uns sehr wichtig: Vor allem Straßenkinder und Kinderarbeiter können durch unsere Projekte endlich Lesen und Schreiben lernen. Kinder mit Behinderungen bekommen außerdem die Möglichkeit, an speziellen Rehabilitationsmaßnahmen  teilzunehmen – um dann eine reguläre Schule zu besuchen und ein normales Leben zu führen.

Beispielprojekt der Kindernothilfe:

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Jung und alt - vier Frauen in Saris. (Quelle: privat)Kleidung

In Indien tragen viele Frauen Saris. Das ist ein rechteckiges, ungenähtes Tuch, fünf bis sechs Meter lang. Er ist entweder schlicht oder mit Stickereien oder Bordüren reich verziert. Man kann den Saristoff in drei Teile einteilen: Einmal ist da der Paluv, auch Pallu genannt. Das ist das Schulterstück. Es ist meistens am dekorativsten bedruckt oder verziert. Der Mittelteil kann ganz schlicht oder auch dekorativ geschmückt sein. Der untere Teil des Saris hat eine Schmuckborte am Saum. Auch wenn es kaum zu glauben ist: Diese drei Teile bilden zusammen ein Tuch, das aus einem einzigen Stück Stoff besteht!

Unter dem Sari tragen die Frauen meist einen langen Unterrock und am Oberkörper eine Bluse, die man Choli (sprich Tscholi) nennt. Die wird vorne einfach zusammengeknöpft. Einen Sari anzuziehen ist gar nicht so leicht – sich in ein sechs Meter langes Stück Stoff zu wickeln ist echt eine Kunst, wie ihr euch sicher vorstellen könnt. Daher nehmen die Frauen oft Sicherheitsnadeln zur Hilfe, damit das Kleidungsstück hält.

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Landesname

„Indien“ kommt von „Indus“, das ist der ein Fluss im Norden des Landes. Dessen Name geht auf das Wort sindhu = Fluss zurück. Die europäischen Seefahrer bezeichneten früher den ganzen Süden und Südosten Asiens als Indien. Später wurde dieser Name nur noch auf die Gebiete der heutigen Länder Indien, Pakistan und Bangladesch angewendet und schließlich bei der Gründung des Staates Indien nur noch auf das indische Staatsgebiet.

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Eine alte Inderin. (Quelle: Kindernothilfe-Partner)Lebenserwartung

Durchschnittlich werden die Menschen in Indien 69 Jahre alt (Deutsche 81 Jahre). Hier hat sich viel verbessert: 1970 wurden die Menschen in Indien nur 49 Jahre alt, 1990 59 Jahre und heute 67 Jahre.

Quellen:World Factbook 2016

 

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Indisches Mädchen mit traurigem Blick. (Quelle: Hannah Rinnhofer)Mädchen und Frauen

Die Geburt einer Tochter ist für viele arme Familien kein freudiges Ereignis. Schuld daran ist eine alte Tradition, die man „Mitgift“ nennt: Wenn eine Inderin heiratet, muss ihre Familie ihrem Mann und seiner Familie z. B. wertvollen Schmuck oder viel Geld geben. Viele Familien müssen für die Mitgift mehr ausgeben, als sie in einem ganzen Jahr verdienen. Also müssen sie sich Geld leihen, das sie oft bis an ihr Lebensende nicht zurückzahlen können, selbst wenn die ganze Familie samt Kindern dafür arbeitet. Und weil Millionen von Eltern keinen anderen Ausweg sehen, lassen sie ihre Töchter direkt nach der Geburt oder schon im Mutterleib töten.

Mehrere indische Regierungen haben mit Gesetzen versucht, das Leben von Mädchen zu retten. Schon 1961 wurde die Mitgift verboten, und seit 1994 ist es strafbar, vor der Geburt feststellen zu lassen, ob eine Schwangere eine Tochter oder einen Sohn erwartet. Aber all diese Gesetze haben nicht geholfen, weil viele Menschen immer noch die alten Traditionen befolgen.

In Indien bleiben Söhne bei ihren Eltern, wenn sie erwachsen sind, und kümmern sich um sie. Schon deshalb finden viele Eltern es besser, Söhne zu bekommen. Töchter werden verheiratet, verlassen ihr Elternhaus und kümmern sich um ihren Mann und die Schwiegereltern. Deshalb halten viele Eltern es für überflüssig, Geld in die Ausbildung ihrer Töchter zu stecken. Außerdem haben sie Angst, dass kein Mann sie heiraten will, wenn sie womöglich gebildeter sind als er.

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ReligionDer Brihadiswara-Tempel in Thanjavur. (Quelle: Susanne Kehr)

Von 100 Indern sind:

80 Hindus
14 Muslime
2 Christen
2 Sikhs
2 Anhänger einer anderen Religionsgemeinschaft

Ein Hindu sucht sich aus rund drei Millionen Göttern seinen Gott heraus. Es gibt kein Glaubensbekenntnis und keinen Religionsstifter wie etwa Jesus oder Mohammed. Hindus glauben, dass jeder Mensch eine unsterbliche Seele hat. Wenn jemand stirbt, kann seine Seele in einem anderen Menschen, aber auch in einem Tier wiedergeboren werden. Deshalb essen strenggläubige Hindus kein Fleisch. Als was man wiedergeboren wird, hängt davon ab, wie viele guten Taten man in seinem vorherigen Leben getan hat. Das ganze Dasein des Hindus ist also ein ewiger Kreislauf.

Indisches Kastensystem. (Quelle: Von Redeemer in der Wikipedia auf Deutsch - selbst gemalt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15650864)Hindus glauben, dass jeder Mensch in eine „Kaste“ hineingeboren wird. Von einer Kaste hängt es z. B. ab, welchen Beruf jemand haben darf. Ein Hindu kann niemals seine Kaste wechseln, er darf niemanden aus einer anderen Kaste heiraten, und seine Kinder werden derselben Kaste angehören wie er selbst.
Ganz unten in der Rangliste stehen die die „Unberührbaren“. Sie leben teilweise wie Ausgestoßene in großer Armut in Slums, sie dürfen nicht mit Angehörigen anderer Kasten zusammen sein, ihnen noch nicht einmal die Hand geben. Sie haben keine Chance, jemals einer höheren Kaste anzugehören, egal wie intelligent und fleißig sie sind.
Das Kastensystem ist im modernen Indien verboten, aber es gibt immer noch viele Inder, die danach leben. Der bekannteste Inder, der für die Abschaffung der Kasten gekämpft hat, ist Mahatma Gandhi.

Zahlen: World Factbook, 2011

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Ein Kind mit einer Schultafel. (Quelle: Guido Falkenberg)Schule

Laut Gesetz („Right of Education Act“) müssen Kinder zwischen sechs und 14 Jahren zur Schule gehen, und dieser Schulbesuch ist für sie kostenlos. Da aber viele Kinder und Jugendliche von morgens bis abends arbeiten müssen, haben sie für den Unterricht keine Zeit und Kraft mehr. 29 von 100 Indern können nicht lesen und schreiben – von 100 Jungen und Männern können 19, von 100 Mädchen und Frauen 39 nicht lesen und schreiben.Schulen in ländlichen Gebieten sind oft sehr abgelegen. Es ist schwierig, gut ausgebildete Lehrer zu finden, die bereit sind, dort zu arbeiten. Oft müssen sie mehrere Klassen gleichzeitig unterrichten. Häufig sitzen mehr als 60 Kinder in einem Klassenraum, also viel mehr als in Deutschland. Viele Mädchen gehen nicht zur Schule, wenn der Schulweg zu lang und gefährlich ist.Zahlen: World Factbook 2015

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Schild an einem Kindernothilfe-Projekt. (Quelle: Britta Adler)Sprache

In Indien werden weit über 100 verschiedene Sprachen gesprochen, die teilweise auch noch eine andere Schrift haben! Amtssprachen, also Sprachen, die überall im Land zum Beispiel in Behörden gesprochen werden, sind Hindi und Englisch. Englisch wird übrigens auch im Schulunterricht gesprochen.Daneben gibt es 21 weitere Sprachen, die offiziell als Sprachen anerkannt sind: Asamiya, Bengalisch, Bodo, Dogri, Gujarati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Maithili, Malayalam, Marathi, Meitei, Nepali, Oriya, Panjabi, Santali, Sanskrit, Sindhi, Tamil, Telugu und Urdu.Wenn sich Leute aus unterschiedlichen Regionen des Landes treffen, müssen sie Hindi oder Englisch miteinander sprechen, um sich zu verstehen. 

Quelle: Wikipedia

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Tadsch Mahal. (Quelle: Frank Mischo)Taj Mahal

Eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Indien ist der Taj Mahal (Tadsch Mahal) ein 58 Meter hohes und 56 Meter breites Mausoleum, also ein Grabgebäude, in der Stadt Agra. Dieses Grabmal hat die Form einer Moschee. Der Großmogul Shah Jahan ließ das Gebäude zum Gedenken an seine  verstorbene Frau Mumtaz Mahal (Arjumand Bano Begum) bauen. Mehr als 20.000 Handwerker aus vielen Ländern Asiens und verschiedene Architekten arbeiteten an dem Gebäude. Die Baumaterialien wurden mit Elefanten aus Indien und anderen asiatischen Ländern herbeigeschafft. Das Grabmal steht auf einer 100 × 100 Meter großen Marmorplattform und wurde mit 28 verschiedene Sorten von Edelsteinen und Halbedelsteinen verziert.

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Tsunami

Am 26. Dezember 2004 gab es vor der Nordwestküste der indonesischen Insel Sumatra ein schweres Erdbeben der Stärke 9,0. Dieses Erdbeben verursachte eine gigantische Flutwelle, auch Tsunami genannt. Sie richtete in 14 Staaten rund um den indischen Ozean schreckliche Verwüstungen an. Dabei starben schätzungsweise 225.000 Menschen; etwa 1,7 Millionen Menschen wurden obdachlos.

In Indien wurden, so wird geschätzt, rund 16.300 Menschen getötet und 648.000 obdachlos; 3.874 Personen werden noch vermisst. Hilflos mußten viele Leute zusehen, wie ihre Freunde und Verwandten von den Wassermassen ins Meer gezogen wurden. Ganze Dörfer hat das Meer einfach mitgerissen.Viele Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche stehen unter Schock und haben Angst vor dem Meer. Wenn der Wind das Meeresrauschen in die Dörfer weht, fangen Kinder an zu zittern. So mancher Fischer will nie wieder mit dem Boot hinausfahren. Diese Menschen brauchen psychologische Hilfe. Und ein neues Zuhause, Arbeit und Schulunterricht, um wieder zu einem normalen Alltag zurückfinden zu können.

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Uhrzeit

Indien ist uns 4 Stunden und 30 Minuten voraus: Wenn es also in Deutschland 12 Uhr ist, ist es in Indien 16.30 Uhr. Während der Sommerzeit beträgt der Unterschied nur 3 Stunden und 30 Minuten.

Aktuelle Uhrzeit in Kalkutta

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Wetter

Der aktuelle Wetterbericht für ganz Indien

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Männer heben Reissäcke von einem Laster. (Quelle: Jens Großmann)

Wirtschaft

Indien gehört zu den weltweit größten Produzenten von Tee, Jute und Zuckerrohr. Indien ist nach China der größte Reisproduzent der Welt. Außerdem werden hier mehr und mehr Computerprogramme – auch für deutsche Firmen – entwickelt.Deutschland ist Indiens viertwichtigster Handelspartner weltweit. 2012 hat Indien vor allem Textilien an Deutschland verkauft, außerdem z. B. Lederschuhe und Lebensmittel. Indien kaufte in Deutschland hauptsächlich Maschinen, aber auch z. B. Autos.

Quellen: Suedasien.Info; Auswärtiges Amt 2015

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Slum neben einer Müllhalde. (Quelle: Josephine Herschel)Wohnen

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