Carolin: Ausgerissen und nach sieben Jahren zurückgekehrt

Caroline ist bei ihrer neuen Tante sehr glücklich (rechts)! (Quelle: Ralf Krämer)Carolines wohnte in einem Dorf weit weg von Hauptstadt Pretoria. Als sie neun Jahre alt war. starb ihre Mutter.

„Ich habe mich um sie gekümmert, als sie krank wurde“, erzählt sie mit leiser Stimme. „Eines morgens wachte ich neben ihr im Bett auf.  Ich dachte, sie wäre am schlafen, ich schüttelte sie, aber sie wachte nicht auf. “

Der Vater hatte schon vor Jahren die Familie verlassen. Deshalb kam Caroline zur Familie eines Onkels. „Die Frau meines Onkels mochte mich nicht. Ich war unglücklich. Ich musste morgens ganz früh aufstehen und Wasser für ihre Kinder holen. Ich musste die Schuhe der Kinder putzen, und wenn ich zur Schule gegangen bin, bekam ich nie ein Pausenbrot mit!“, erzählt sie wütend.

Sie stieg einfach in den Bus und fuhr in die Hauptstadt

Der Bahnhof von Pretoria. (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:NJR_ZA?uselang=de)Nach ein paar Wochen reichte es Caroline, und sie rannte weg. Sie wollte ihren Vater suchen. Allerdings hatte sie keine Ahnung, wo er lebte – das wusste nur ihr Onkel. Sie stieg einfach in den Bus, der in die Hauptstadt Pretoria fährt.

Pretoria ist eine große Stadt. Und Caroline war erst neun und noch nie im Leben dort gewesen. Sie kannte niemanden dort. „Als ich ausstieg, wusste ich nicht, wohin ich gehen sollte. Ich bin einfach hinter anderen Leuten hergelaufen. Eine Frau hat das beobachtet. Sie nahm mich mit nach Hause, ließ mich bei sich übernachten und brachte mich am nächsten Tag zur Polizei.“

Caroline mit Lizzy, der Leiterin des Lerato-House. Sie ist wie eine Mutter für Caroline. (Quelle: Ralf Krämer)Caroline hatte Panik, dass die Polizei nach Hause zurückbringen würde. Deshalb sagte sie den Polizisten nicht, woher sie kam. Die Polizei brachte Caroline schließlich zum Lerato-House, einem Straßenmädchenprojekt in Pretoria, das die Kindernothilfe unterstützt. Wenn diese Frau nicht gewesen wäre, wäre Caroline auf der Straße gelandet.

Suche übers Fernsehen

Der Onkel war verzweifelt, dass seine Nichte verschwunden war. Er rief bei einem Fernsehsender an und ließ sie in der Sendung „Missing people“ (Vermisste Leute) suchen. Er wollte Caroline unbedingt zurückhaben. „Aber ich wollte nicht zurück“, sagte Caroline. „Er war immer noch mit dieser Frau verheiratet!“

Sieben Jahre bliebt Caroine im Lerato-House. Sie ging zur Schule, und die anderen Straßenmädchen in dem Projekt wurden wie Schwestern für sie.

Ein Zimmer für ehemalige Straßenmädchen im Lerato-House. (Quelle: Ralf Krämer)

Eine neue Tante für Caroline

Doch dann verließ der Onkel seine Frau und heiratete eine andere. Die Leiterin des Lerato-House hörten das, und zwei Mitarbeiterinnen fuhren den weiten Weg in das Dorf, um mit dem Onkel und seiner neuen Frau zu sprechen. „Sie ist lustig und herzlich“, stellten sie fest und ermutigten Caroline, beim nächsten Mal mitzufahren und ihre neue Tante kennenzulernen. Einige Male dann ist Caroline mit Leuten vom Lerato-House zu ihrer Familie gefahren. Mit der neuen Frau ihres Onkels verstand sie sich auf Anhieb total gut. Und eines Tages beschloss sie, wieder nach Hause zurückzukehren.

Caroline mit ihrer Halbschwester. (Quelle: Ralf Krämer)Gemeinsam mit zwei Frauen vom Lerato-House besuchen wir – der Kindernothilfe-Fotograf und ich –  Caroline. Sie albert mit ihren  Halbgeschwistern herum, und ihre Tante strahlt ganz viel Liebe aus und lacht viel. Wir merken, Caroline ist hier richtig glücklich. Sie geht jetzt in die 9. Klasse, ist supergut in Mathe und will später Buchhalterin werden. Wir freuen uns, dass sie endlich wieder eine Familie hat!

Text: Guni Aiyub, Kindernothilfe-Redakteurin
Fotos: Ralf Krämer, Kindernothilfe